Shopware hat mit seinen Einkaufswelten und der Aufforderung für Storytelling die e-Commerce Landschaft verändert. Es wird wieder mehr inspiriert statt nur gelistet. Wir haben den kreativen Kopf bei Shopware gesucht… und gefunden.

Hi Sebastian, du bist ja der kreative Kopf hinter Shopware – vielleicht sogar die Innovationsseele des Unternehmens und zudem ein echter Usability Nerd. Lass uns mal ganz tief einsteigen. Aus unserer Sicht haben die Einkaufswelten von Shopware den großen Durchbruch des Systems zu verantworten. Shopbetreiber können sich selbst emotionale Welten zusammenklicken – ziemlich einfach oder nicht?

Die Einkaufswelten sind eines der Highlights von Shopware. Generell stellen wir den User bzw. die User Experience in den Mittelpunkt, denn wir entwickeln Software für die Menschen, die sie benutzen. Wir sind überzeugt, dass eCommerce an sich bereits komplex genug ist. Deshalb möchten wir den Rest so reduziert und einfach wie möglich gestalten. Je einfacher wir es dem Händler machen, seinen Kunden ein gutes Einkaufserlebnis zu bieten, desto schneller wird er diese Möglichkeiten nutzen und damit Erfolge haben. Aber auch der Verbraucher spielt übrigens eine Hauptrolle bei Shopware. Kunden möchten im Shop abgeholt und auf eine Reise mitgenommen werden. Sie lieben es, wenn sie sich mit dem Shop und dem Händler identifizieren können und ein einmaliges Einkaufsgefühl erleben. Der Händler auf der anderen Seite hat mit den Einkaufswelten ein mächtiges Instrument, um sich vom Wettbewerber abzugrenzen und seine eigene Marke zu formen.

„Unsere Kunden haben den Wunsch nach sehr individuellen Layouts“

Während alle auf Bootstrap setzen habt ihr ein anderes Raster gewählt. Für viele Agenturen eine Herausforderung. Wie macht Ihr das, wie funktioniert’s, was sind die Vorteile?

Vollkommen richtig, wir verwenden nicht das in unserem Fall aufwändiger zu bedienende Bootstrap Gestaltungsraster und haben uns bewusst für eine andere Lösung entschieden, Unsere Kunden haben den Wunsch nach sehr individuellen Layouts um es Agenturen so einfach wie möglich zu machen, die Storefront zu gestalten. Unser System ist darauf ausgelegt, sehr granulare Anpassungen durchführen zu können, was durch definierte Abschnitte im Quellcode ermöglicht wird. Unsere Kunden haben den Wunsch nach sehr individuellen Layouts, den wir mit unserem Raster-System mit dem Namen „Pocketgrid“ bedienen. Ohne Änderungen an der Struktur der Seite ermöglichen wir die Steuerung direkt über CSS, womit eine größtmögliche Flexibilität einhergeht. Durch die Verwendung des Raster-Systems haben unsere Kunden zudem den Vorteil, Updates einfach und ohne großen Aufwand durchzuführen.

Wenn Agenturen ihr eigenes Raster über euch bügeln – ist das für Dich nachvollziehbar oder wird hier eine künstliche Abhängigkeit produziert?

Für uns kein Problem. Das von uns verwendete Raster-System setzt keine Klassen auf HTML-Elemente ein, sondern wird komplett prozentual über das Styling gesteuert. Agenturen können so sehr einfach die Spaltigkeit anpassen und sehr komplexe „full responsive“ Layouts umsetzen. Diese Flexibilität und die damit verbundene Updatesicherheit, selbst bei stark angepassten Themes, kann unserer Meinung nach nicht besser erreicht werden und bietet für die Agenturen wenig Wartungsbedarf bei Updates.

„Ich beobachte Menschen und ihre Vorlieben beim Shoppen“

Beim Shop Usability Award ist uns aufgefallen, dass viele Shopware Shops sehr ähnlich aussehen. Eigentlich ein Lob für Dich, denn scheinbar gibt’s am Standard wenig zu meckern. Oder bist Du manchmal enttäuscht wie wenig kreativ mit Vorgaben umgegangen wird?

Nein, enttäuscht bin ich auf keinen Fall. Vielmehr freue ich mich, dass der Shopware-Standard bereits so tolle Möglichkeiten bietet und so positiv auffällt. Nicht umsonst hatten wir 2016 ja sagenhafte 35 nominierte Shopware-Shops beim SUA. Daneben gibt es aber auch eine große Zahl sehr individualisierter Beispiele. Übrigens: Wir werden es Shopbetreibern in Zukunft noch einfacher machen und vorgefertigte Storytelling-Vorlagen mit ausliefern, um sie auf neue Ideen zu stoßen und ihnen so zusätzliche Inspiration zu verschaffen.

Der BVB hat knapp nach dem Award seinen Shop gelauncht – eine Sensation hinsichtlich Storytelling. So geht Shopware, oder hast du andere Lieblinge?

Der BVB-Shop ist hinsichtlich des Storytellings ein sehr schönes Beispiel. Er ist fantastisch auf die Zielgruppe zugeschnitten und zieht die User in eine überzeugende BVBWelt, die zum Stöbern und Verweilen einlädt. Besonders gut gelungen sind dabei die „Spielerwelten“. Prinzipiell gibt es aber mittlerweile eine Vielfalt von Shops, die mittels Storytelling ihre ganz eigene Geschichte erzählen und herausstechen. Konkret denke ich da zum Beispiel an Rausch. So hat die Schokoladenmanufaktur besonders viel Wert darauf gelegt, das „Warum“ hinter ihren Produkten und Herstellungsprozess zu beleuchten.

Woher bekommst Du Deine Ideen und Inspiration für neue Themen, die Shopware künftig ausmachen?

Ehrlich gesagt, oft aus den eigenen Gewohnheiten. Was finde ich gut? Was hat mich beeindruckt? Wo gehe ich persönlich gern einkaufen und was sind meine Erwartungen dabei? Noch wichtiger ist jedoch die Interaktion mit den Menschen und ihre Vorlieben beim Shoppen zu beobachten. Dazu höre ich mich oft in meinem privaten Umfeld bei Freunden und der Familie um. Aus deren ehrlicher Meinung ziehe ich viele Inspirationen und Ideen. Um diesen Transfer bewusst voranzubringen, planen wir übrigens Verbraucherworkshops, wie wir es bspw. auch beim Thema B2B gemacht haben.

Mit welchen Themen wirst Du Dich die nächsten Monate beschäftigen?

Wir haben bei Shopware natürlich eine Menge Projekte laufen. Ganz konkret beschäftige ich mich gerade mit der Entwicklung eines komplett neuen Backends sowie die nächste Stufe unserer Einkaufswelten – auch in der Virtual Reality. Denn wir möchten Shopware auch für die Bedienung über völlig neue User Interfaces optimal vorbereiten.