OXID eSales gehört zu den bekanntesten Unternehmen im Deutschen e-Commerce und ist die Basis für viele Onlineshops. 2016 hat das Freiburger Unternehmen mit seinen Kunden schwer Preise abgeräumt. Wir haben Gründer und Vorstand Roland Fesenmayr interviewt wo die Reise hingeht.

Roland Fesenmayr, Gründer und Vorstandsvorsitzender

OXID macht gerade eine Serie von Roadshows „Digitale Transformation im technischen Großhandel“. Ist die B2B-Welt gerade der Fokus von OXID eSales?

Der Markt verändert sich. In der Anfangszeit des E-Commerce hat der Handel an den Endkunden dominiert. Dieses Geschäft sieht langsam einer Sättigung entgegen. Unternehmen im B2B dagegen, haben enormen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung. Sie fangen gerade erst an, digital zu denken und den E-Commerce als wichtigen Baustein für ihre Strategie zu entdecken. Heute macht der Online-Handel zwischen Unternehmen bei uns ca. 50% aus. Die Stärken unserer Shopsoftware für den B2C-Händler sind genau die, wonach B2B-Unternehmen bei uns suchen. Und wir können mit der OXID eShop Enterprise B2B Edition eine sehr überzeugende Shoplösung anbieten. Erst dieses Jahr sind wir im unabhängigen Shopsystem-Vergleich der iBusiness als Preis- Leistungssieger im Segment bis € 100.000 hervorgegangen. Wir bedienen mit OXID eShop die unterschiedlichsten Geschäftsmodelle. Egal ob B2C, B2B oder eine Mischung aus beidem.
Sehr spannend ist eine zunehmende Verschmelzung von B2B und B2C, die wir beobachten. Immer mehr Markenhersteller gehen mit ihrer E-Commerce-Plattform in Richtung Fachhandel. Genauso, wie traditionelle B2B-Unternehmen jetzt ihre Produkte Endkunden anbieten. Ein gutes Beispiel ist Thyssenkrupp mit www.materials4me.de. Ein Shop, in dem Hobbybastler in Losgröße 1 Metalle und Kunststoffe ordern können und mit der Bestellung direkt den Produktionsprozess anstoßen. Das kommt im traditionellen Stahlhandel einer Revolution gleich.

Wie wichtig ist im Transformationsprozess die Software und wer entscheidet heute über die Software?

Gerade für Unternehmen im Transformationsprozess ist die Software von zentraler Bedeutung. Das Projekt muss sich rechnen für den Kunden. Nicht nur initial, sondern auch im laufenden Betrieb. Eine bewährte Plattform, die sich schnell und mit begrenztem Aufwand implementieren lässt, trägt  maßgeblich dazu bei. Eine performante Softwarearchitektur sorgt dafür, dass weniger „Blech“ beim Hoster stehen muss. Unternehmen, die im digitalen Transformationsprozess stecken, haben bereits eine gewachsene IT Infrastruktur. Intern vom ERP- bis zum Kassensystem und über externe Dienste vom Payment bis zur Logistik. Diese Systeme gilt es, mit ausgereiften Schnittstellen nahtlos anzubinden. Viele dieser etablierten Unternehmen betreiben ihr Geschäft seit Jahrzehnten, vielleicht sogar seit Generationen. Die Software muss so flexibel anpassbar sein, dass sie diese höchst individuellen Geschäftsmodelle optimal unterstützt. Dafür steht die OXID Plattform.
Je größer die Unternehmen, desto größer auch die Entscheidungsgremien. Um ein Projekt zu gewinnen gilt aber heute wie vor 10 Jahren: Die angebotene Lösung muss Marketing und Vertrieb genauso wie die IT überzeugen. Immer stärker steht mittlerweile die Rentabilität der Lösung im Fokus. So ist häufig die Geschäftsführung direkt ins Projekt involviert und hat das letzte Wort.

Ihr habt ja eine Professional Unit, um Kunden zu beraten. Sind die Beratung und eure Erfahrung inzwischen vielleicht schon wichtiger als die Software selbst?

Nein, wir sind im Herzen eine Software-Schmiede. Die Kunden benötigen aber eine Lösung und keine einzelnen Bausteine. Diese liefern wir gemeinsam mit unseren zertifizierten Partnern. Uns zeichnet als Anbieter aus, dass wir über die rein technische Plattform hinaus dem Kunden das gesamte Paket anbieten können: mit dem PS-Team den Service und – nicht zu vergessen – mit der OXID Academy das Know-how. Der Professional Service ist in erster Linie dazu da, das Ohr am Markt zu haben und unsere Partner bei komplexen Aufgaben, wie z.B. Skalierungsthemen zu unterstützen. Im E-Commerce muss alles stimmen. Angefangen von der passenden Strategie für den Kunden, über die Implementierung bis hin zum Betriebskonzept. Diesen Kreislauf können wir deshalb ideal bedienen, weil wir mit unserem Partnernetzwerk und dem PS-Team optimal aufgestellt sind. So wie es die Realität in E-Commerce Projekten benötigt.

OXID eSales sieht ja sehr nüchtern aus. Manche sagen altmodisch, die echten Entwickler schätzen mehr die Anpassungsfähigkeit als die nette Fassade. Ist das aktuelle Look & Feel Konzept oder habt ihr wenig Zeit?

Ein Blick in dieses Magazin genügt, um das Gegenteil zu beweisen. Die OXID eShop Sieger in den vier Top-Kategorien sind hoch professionell, die Shops ein Erlebnis. Genau dabei, jede Marke in ihrer Individualität perfekt abzubilden, muss eine Software unterstützen. Das Ergebnis: hochindividuelle Auftritte, wo kein Shop dem anderen gleicht. Außerdem haben wir mit dem letzten Update von OXID eShop 5.3 für die Enterprise Edition und 4.10 für die Community und Professional Edition deutlich nachgelegt. Das Responsive Design bringt einige coole Extras mit sich. Es ist klar auf die gute Anpassbarkeit fokussiert und absolut nah am Bootstrap-Standard, was das oft aufwändige ‚downstripping‘ vor der eigentlichen Arbeit stark reduziert. Das komplett in den Shop integrierte Visual CMS ist ein echtes E-Commerce CMS mit direktem Zugriff auf die Shopdaten. Eines, das mit ‚custom widgets‘ genau auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten werden kann. Das hat den Vorteil, dass komplexe, kundenspezifische Vorgänge hinter einfachen Eingabemasken ‚versteckt‘ werden können, wodurch jeder Laie in kürzester Zeit Einkaufswelten erschafft, die den User begeistern.

OXID eShop hat jetzt Einkaufswelten, um Inhalte emotional zu transportieren. Das zeigt, dass ihr euch um Look & Feel schon Gedanken macht und OXID nicht nur von Techniknerds geliebt wird?

Ja, natürlich müssen wir den Ansprüchen an eine moderne Shopsoftware gerecht werden. Shops sind heute mehr als eine weitere Plattform für den Abverkauf. Sie sind die Visitenkarte des Unternehmens. Sie müssen beraten, unterhalten, Möglichkeiten der Interaktion bieten u.v.m. Hier hat sich in den letzten Jahres viel verändert. Mit dem letzten Update gehen wir auf diese Anforderungen ein. Die kommende Version OXID eShop 6.0, die noch dieses Jahr in die Beta-Phase geht, wird hier weitere Optimierungen mit sich bringen. Über diese Neuerungen werden sich die Techniknerds besonders freuen. Denn das meiste findet bei der 6.0 unter der Haube statt. Das heißt aber nicht, dass unsere Partner und Händler deswegen weniger Grund zur Freude hätten, im Gegenteil. Die Operationen unter der Haube sind natürlich kein Selbstzweck. Sie verfolgen das Ziel, die Arbeit mit OXID eShop effizienter zu machen. Dadurch wird das Gesamtpaket noch attraktiver.

Die Marke Bench hat beim Shop Usability Award einen Kategoriesieg gewonnen mit einem sensationellen Shop. Sind Marken wie Bench für euch die wichtigen Kunden – auch hinsichtlich Omnichannel?

Gute Referenzen sind viel wert. Und gerade www.bench.de ist ein Shop, auf den wir besonders stolz sind. Unser Partner superReal hat hier mit dem Kunden Herausragendes geleistet. Bench ist eines der Unternehmen, das die Customer Journey verstanden hat. Die Grenzen zwischen Unternehmensauftritt, Services, Kundenerlebnis und Shop sind so fließend, dass man als neugieriger Besucher nicht merkt, wo das eine anfängt und das andere aufhört. Das gehört zu einer echten Omnichannel-Strategie. Die Marke Bench ist ein Erlebnis. Und so will es der Kunde von heute.

„Shops sind heute mehr als eine weitere Plattform für den Abverkauf.“

Du hast auf der OXID Commons bereits vor Jahren über Omnichannel gesprochen. Hat sich hier viel getan? Ich hab das Gefühl, dass wir hier noch ganz am Anfang stehen. Wer macht hier heute schon ein gutes Bild?

Mittlerweile sind zumindest mal alle neuen Shops die online gehen mobil optimiert. Meist wählen die Händler den vergleichsweise günstigen Ansatz über responsive Templates. Native Apps haben sich in der Breite nicht durchgesetzt. Das ist ein Thema für große Marken, die auch entsprechende Mehrwerte in Form von Loacation Based Services, tiefe Social Media Integration oder Konfiguratoren anbieten.
Beim Thema Filialintegration werden zunehmend Verfügbarkeitschecks, Produktreservierungen oder Click & Collect umgesetzt. Sehr schöne OXID Beispiele sind hier Lodenfrey aus München oder Edeka Südwest, die mit den Edekadrive Shops (www.edekadrive.de) am Start sind. Ein spannendes Konzept. Vor allem für Berufstätige, die sich nach Feierabend nur noch schnell die gepackte Tüte ins Auto laden wollen.
Echtes Omnichannel, das sich durch nahtlose Hand-Offs zwischen allen Kanälen auszeichnet und auch persönliche Beratungs- und Verkaufsdienstleistungen am Point of Sale mit einbezieht, ist noch immer sehr selten. Die Konzepte liegen auf dem Tisch. Die Technologie ist verfügbar und die Kunden sind bereit. Nur traut sich der Handel noch nicht an eine konsequente Umsetzung heran. Aber das wird kommen. Spätestens wenn der Druck von Amazon und Co. auch in diesem Umfeld so groß wird, dass man zum Handeln gezwungen ist.

Wann ist die nächste OXID Commons und welches Thema wird Dich bis dahin beschäftigen?

Wir haben gerade einen Termin im Juni 2018 in der Messe Freiburg reserviert und behalten damit unseren 2-Jahres-Rhythmus bei. Seit diesem Jahr beschäftigen wir uns neben den klassischen Themen – B2B, Omnichannel und Customer Experience, die bei uns gesetzt sind – auch mit Industrie 4.0. Sie hält langsam Einzug in die Chefetagen, die die Notwendigkeit zu Handeln zunehmend erkennen.
Daraus ergeben sich vielversprechende neue Geschäftsmodelle, z.B. ein genau auf einen einzelnen Kunden zugeschnittenes Produkt, das aus industrieller Sicht vollautomatisiert in Losgröße 1 produzierbar wird. Oder die sogenannte Servicitation. Man produziert und vertreibt nicht nur ein Stück Hardware, sondern schafft darum noch einen Online Service mit Mehrwert. Oder denk an Maschinen, die online Verschleißteile oder Verbrauchsmaterial selbständig nachbestellen. Die Möglichkeiten, aber auch die Notwendigkeit, sich darauf einzustellen, hat ein Konzern aus dem Rheintal ebenso wie ein Traditionsunternehmen aus Schwaben. Für uns als E-Commerce-Lösungsanbieter gibt es hier interessante Überschneidungen. Darauf wollen wir uns vorbereiten, damit wir diese neuen Anforderungen in Zukunft bedienen können.

„Bench ist eines der Unternehmen, das die Costumer Journey verstanden hat.“